CLARITY Act: Warum dieses US-Gesetz auch für Bitcoin-Hodler im DACH-Raum relevant ist
Von Georg Menger – Bitcoiner seit dem 8. Oktober 2012
Seit Jahren herrscht in den USA regulatorisches Chaos rund um digitale Assets. Zwei Behörden – die Securities and Exchange Commission (SEC) und die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) – streiten sich um die Zuständigkeit. Unternehmen werden verklagt, ohne klare Regeln zu kennen. Der Digital Asset Market Clarity Act, kurz CLARITY Act, soll das ändern.
Das Gesetz hat im Juli 2025 das Repräsentantenhaus mit einer breiten Mehrheit von 294 zu 134 Stimmen passiert. Seitdem hängt es im Senat fest. Doch die Verhandlungen laufen auf Hochtouren – und die Uhr tickt.
Was der CLARITY Act regeln soll
Im Kern beantwortet das Gesetz eine Frage, die den gesamten Markt seit Jahren lähmt: Wer reguliert was?
Der CLARITY Act schafft klare Zuständigkeiten. Digitale Assets, die als „digitale Waren” gelten – darunter Bitcoin – würden unter die Aufsicht der CFTC fallen. Investmentvertrags-ähnliche Token blieben bei der SEC. Stablecoins bekämen einen eigenen regulatorischen Rahmen.
Für Bitcoin ist das besonders relevant: Das Gesetz würde die Einstufung als Ware (Commodity) endgültig festschreiben. Börsen, Broker und Verwahrer bekämen definierte Registrierungswege. Die rechtliche Grauzone wäre Geschichte.
Warum es stockt: Der Streit um Stablecoin-Yields
Die inhaltliche Arbeit am Gesetz ist weit fortgeschritten. Doch ein zentraler Konflikt blockiert den Fortschritt: die Frage, ob Stablecoin-Herausgeber ihren Nutzern Zinsen oder Belohnungen zahlen dürfen.
Die US-Bankenlobby warnt, dass verzinste Stablecoins klassische Bankeinlagen kannibalisieren könnten. Die Federal Reserve schätzt, dass bei moderater Stablecoin-Adoption bis zu 400 Milliarden Dollar aus dem traditionellen Bankensystem abfließen könnten. Krypto-Unternehmen wie Coinbase argumentieren dagegen, dass ein Verbot den Wettbewerb und die Innovation ersticken würde.
Am 10. Februar 2026 fand im Weißen Haus ein Treffen zwischen Vertretern der Banken- und Kryptoindustrie statt. Eine Einigung gab es nicht. Die Frist für einen Kompromiss wurde auf den 1. März 2026 gesetzt.
Was eine Verabschiedung für Bitcoin bedeuten würde
US-Finanzminister Scott Bessent brachte es am 13. Februar 2026 auf den Punkt: Regulatorische Klarheit durch den CLARITY Act könnte die erschütterten Märkte stabilisieren und Vertrauen zurückbringen.
Konkret könnten drei Effekte eintreten:
Institutionelles Kapital fließt ein. Ohne klare Regeln zögern Pensionsfonds, Vermögensverwalter und Banken, nennenswert in Bitcoin zu investieren. Der CLARITY Act würde ihnen den rechtlichen Rahmen geben, auf den sie warten. Mehrere Großbanken wie JPMorgan und Bank of America stehen bereit, Bitcoin-Verwahrung anzubieten, sobald die Rechtslage klar ist.
ETF-Infrastruktur reift weiter. Die bestehenden Bitcoin-ETFs haben 2025 bereits über 31 Milliarden Dollar an Zuflüssen angezogen. Mit regulatorischer Klarheit könnten weitere Produkte und höhere Allokationen folgen.
Volatilität sinkt langfristig. Je mehr institutionelles Kapital in den Markt fließt, desto stabiler wird er. Die annualisierte Volatilität von Bitcoin ist von über 200 % (2012) bereits auf 30–50 % gefallen. Regulierung beschleunigt diesen Trend.
Und was hat der DACH-Raum damit zu tun?
Die EU hat mit der MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets) bereits seit 2024 ein eigenes Regulierungsframework. Auf den ersten Blick betrifft der CLARITY Act also nur die USA.
In der Praxis ist der Zusammenhang aber direkt: Bitcoin ist ein globaler Markt. US-regulatorische Klarheit beeinflusst institutionelle Zuflüsse weltweit, was sich direkt auf den Kurs auswirkt – und damit auf jeden Hodler, egal ob in Wien, Zürich oder Berlin.
Wer verstehen will, wie Bitcoin im globalen Finanzsystem funktioniert, findet auf unserer Wissen-Seite die Grundlagen. Und wer sich fragt, warum Self-Custody gerade in unsicheren Zeiten wichtig ist, sollte den Artikel über Self-Custody für Einsteiger lesen.
Einordnung
Der CLARITY Act ist kein Allheilmittel. Er muss noch durch den Senat, wo fundamentale Meinungsverschiedenheiten bestehen – nicht nur über Stablecoins, sondern auch über DeFi-Regulierung und die Frage, wie viel Einfluss die Krypto-Industrie auf die Politik nehmen sollte.
Aber das Signal ist klar: Die USA bewegen sich – wenn auch langsam – auf eine regulatorische Grundlage zu, die Bitcoin als legitimes Asset im Finanzsystem verankert. Für langfristige Bitcoin-Investoren im DACH-Raum ist das eine positive Entwicklung.
Bitcoin braucht keine Genehmigung, um zu funktionieren. Aber es braucht regulatorische Klarheit, damit die nächste Welle an institutionellem Kapital eintreten kann. Der CLARITY Act könnte genau das liefern.
Disclaimer: Dieser Artikel ist keine Finanzberatung. Er dient der sachlichen Einordnung aktueller regulatorischer Entwicklungen. Jede Investitionsentscheidung trägst du selbst. Stand: 16. Februar 2026.