Jane Street Bitcoin Manipulation – Waage mit Wall Street und Bitcoin auf dunklem Hintergrund, 21 BTC Club

Jane Street und der 10-Uhr-Dump: Manipuliert die Wall Street den Bitcoin-Preis?

Eine Klage gegen die Handelsfirma Jane Street enthüllt brisante Vorwürfe: Insider-Trading beim Terra-Crash 2022 und tägliche algorithmische Bitcoin-Verkäufe um 10 Uhr. Was steckt dahinter?

Jane Street und der 10-Uhr-Dump: Manipuliert die Wall Street den Bitcoin-Preis?

Von Georg Menger – Bitcoiner seit dem 8. Oktober 2012


Wenn du in den letzten Tagen auf Crypto-Twitter unterwegs warst, bist du an einem Begriff nicht vorbeigekommen: „Chain Street” – der Spitzname der Krypto-Community für Jane Street, eine der mächtigsten und verschwiegensten Handelsfirmen der Wall Street.

Am 23. Februar 2026 wurde eine Klage eingereicht, die den gesamten Krypto-Markt erschüttert hat. Die Vorwürfe: Jane Street soll mit Insider-Informationen den Terra/Luna-Crash 2022 beschleunigt und danach monatelang den Bitcoin-Preis durch algorithmische Verkäufe systematisch gedrückt haben.

Ich fasse die Fakten zusammen – objektiv, nachprüfbar und ohne Verschwörungs-Hype.

Wer ist Jane Street?

Jane Street Group LLC ist eine quantitative Handelsfirma mit Sitz in New York. Die Firma handelt mit automatisierten Systemen Aktien, ETFs und Kryptowährungen in Millisekunden. Im letzten Quartal 2025 verdiente Jane Street über 24 Milliarden Dollar. Damit gehört sie zu den profitabelsten Handelshäusern der Welt.

Für den Bitcoin-Markt ist eine Rolle besonders relevant: Jane Street ist sogenannter Authorized Participant (AP) bei mehreren Bitcoin-Spot-ETFs, darunter BlackRocks IBIT, Fidelity und WisdomTree. Das bedeutet, dass Jane Street direkt ETF-Anteile erstellen und einlösen kann – und damit einen direkten Mechanismus hat, der ETF-Preise mit dem tatsächlichen Bitcoin-Kurs verbindet.

Die Klage: Insider-Trading beim Terra-Crash

Todd R. Snyder, der vom Insolvenzgericht eingesetzte Verwalter von Terraform Labs, hat Jane Street am 23. Februar 2026 vor einem Bundesgericht in Manhattan verklagt (Aktenzeichen 1:26-cv-1504). Die Klage beruft sich auf den Commodity Exchange Act, den Securities Exchange Act sowie Betrug und ungerechtfertigte Bereicherung.

Der Informationskanal

Ein ehemaliger Praktikant von Terraform Labs – Bryce Pratt – wechselte im September 2021 zu Jane Street. Die Klage behauptet, dass Pratt eine private Kommunikationsgruppe mit ehemaligen Terraform-Kollegen unterhielt. Über diesen Kanal sollen nicht-öffentliche Informationen über Terraforms Liquiditätsmanagement an Jane Street geflossen sein.

Der entscheidende Trade

Am 7. Mai 2022 um 17:44 Uhr (US-Ostzeit) zog Terraform Labs leise 150 Millionen UST aus dem Curve3Pool ab – ohne öffentliche Ankündigung. Nur zehn Minuten später zog eine mit Jane Street in Verbindung gebrachte Wallet 85 Millionen UST aus demselben Pool ab. Dieser zeitliche Zusammenhang ist laut Klage kein Zufall, sondern der Beweis für Front-Running mit Insider-Wissen.

Die Folge

Diese Abflüsse halfen laut Klageschrift, TerraUSD vom Dollar-Peg zu lösen und die Todesspirale auszulösen, die innerhalb weniger Tage rund 40 Milliarden Dollar an Marktwert vernichtete. Luna fiel von über 80 Dollar auf praktisch null. Der Terra-Crash zog auch andere Firmen mit – darunter FTX.

Jane Streets Antwort

Die Firma bezeichnete die Klage als „verzweifelten und haltlosen Versuch, Geld einzutreiben”. Die Verluste der Terra-Investoren seien das Ergebnis eines „milliardenschweren Betrugs durch das Management von Terraform Labs”. Do Kwon wurde tatsächlich zu 15 Jahren Haft verurteilt – das ist unbestritten. Ob Jane Street davon unabhängig profitiert hat, muss das Gericht klären.

Die Klage steht nicht allein: Bereits im Dezember 2025 hatte Snyder die Handelsfirma Jump Trading verklagt. Der Vorwurf dort: Jump habe das Terraform-Ökosystem über eine Hintertür-Vereinbarung aktiv ausgenutzt und vertrauliche Informationen an Jane Street weitergegeben. Jump bestreitet die Vorwürfe ebenfalls.

Der „10-Uhr-Dump”: Systematische Bitcoin-Verkäufe?

Unabhängig von der Terra-Klage gibt es seit Monaten Beobachtungen in der Krypto-Community, die ein auffälliges Muster dokumentieren: Fast jeden Handelstag fiel der Bitcoin-Kurs um exakt 10:00 Uhr US-Ostzeit (16:00 Uhr MEZ) – zum Zeitpunkt der US-Börsenöffnung.

Was die Daten zeigen

On-Chain-Analysten und Trader auf X (ehemals Twitter) dokumentierten dieses Muster über Wochen und Monate hinweg. Ein besonders auffälliges Beispiel aus Dezember 2025: Bitcoin fiel innerhalb von Minuten von 89.700 auf 87.700 Dollar, was Long-Positionen im Wert von 171 Millionen Dollar liquidierte – bevor der Kurs sich wieder erholte.

Mike Alfred, ein bekannter Krypto-Investor, behauptete, einen Insider-Tipp erhalten zu haben, wonach Jane Streets „10-Uhr-Dump-Algorithmus” abgeschaltet worden sei. Gleichzeitig soll die Firma fast eine Million MicroStrategy-Aktien gekauft haben. Diese Behauptungen sind nicht verifiziert.

Wie das funktionieren könnte

Als Authorized Participant bei Bitcoin-ETFs hat Jane Street eine einzigartige Position. Kritiker beschreiben den mutmaßlichen Mechanismus so: Bitcoin zum Börsenstart verkaufen und den Kurs drücken, durch den Preisrückgang Long-Positionen liquidieren, in der entstandenen Liquiditätszone günstiger zurückkaufen und den Vorgang täglich wiederholen.

Analyst Bechler merkte an: Wenn Jane Street gleichzeitig IBIT-Anteile im Wert von 790 Millionen Dollar hält und diese Position mit Put-Optionen oder Short-Futures absichert, ist die Netto-Exposition null oder sogar negativ. In beiden Szenarien profitiert die Firma, wenn der Bitcoin-Kurs fällt.

Die Gegenargumente

Julio Moreno, Head of Research bei CryptoQuant, stellte die Narrative direkt in Frage. Er merkte an, dass das Kaufen von Bitcoin am Spotmarkt und gleichzeitiges Verkaufen von Futures nichts Ungewöhnliches sei – das mache jeder andere deltaneutrale Fonds genauso.

Jeff Park, Chief Investment Officer bei ProCap und Berater bei Bitwise, argumentierte ebenfalls, dass die Debatte ein grundsätzliches Missverständnis der ETF-Mechanik widerspiegele. Der Fokus auf einzelne Firmen wie Jane Street überdecke die strukturellen Abläufe, die für alle Authorized Participants gelten. ETF-Zuflüsse, institutionelles Hedging und Standard-Algorithmen laufen zum New Yorker Börsenstart zusammen – das ist kein Beweis für Manipulation.

Was nach der Klage passierte

Die zeitliche Korrelation zwischen der Klage und den Marktbewegungen ist bemerkenswert: Nach Bekanntwerden der Klage am 23. Februar blieb der typische 10-Uhr-Dump aus. Stattdessen stieg Bitcoin deutlich an. Der Krypto-Markt legte innerhalb weniger Tage rund 200 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung zu. Bitcoin näherte sich kurzzeitig der 70.000-Dollar-Marke.

Zusätzlich löschte Jane Street Berichten zufolge alle Beiträge auf ihrem X-Account – was die Spekulationen weiter anheizte.

Korrelation ist allerdings nicht Kausalität. Ob der ausgebliebene Dump tatsächlich mit der Klage zusammenhängt oder ob andere Marktfaktoren eine Rolle spielten, lässt sich aus den verfügbaren Daten nicht zweifelsfrei belegen.

Was das für Bitcoin-Anleger bedeutet

Die strukturelle Frage

Dieser Fall ist größer als Jane Street allein. Er wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie viel Einfluss haben institutionelle Market Maker auf den Bitcoin-Preis?

Mit der Einführung der Bitcoin-Spot-ETFs im Januar 2024 wurde eine Brücke zwischen der traditionellen Finanzwelt und Bitcoin geschlagen. Diese Brücke bringt Liquidität und Legitimität – aber auch Akteure mit sich, deren Geschäftsmodell auf Geschwindigkeitsvorteilen und Informationsvorsprüngen basiert. Wer verstehen will, wie die ETF-Marktstruktur funktioniert, findet auf unserer Tools-Seite Live-Daten zum Bitcoin-Markt.

Was wir sicher wissen

Jane Street ist einer von nur vier Authorized Participants bei BlackRocks IBIT – neben Virtu Americas, JP Morgan Securities und Marex. Die Terraform-Klage enthält konkrete Vorwürfe mit Zeitstempeln und Wallet-Adressen. Das 10-Uhr-Muster wurde von vielen unabhängigen Tradern dokumentiert. Kein Gericht hat bisher eine Manipulation bestätigt. Die Klage ist ein laufendes Verfahren.

Was wir nicht wissen

Ob der „10-Uhr-Dump” tatsächlich von Jane Street stammt oder normale ETF-Mechanik widerspiegelt. Ob die Korrelation zwischen Klage und ausbleibendem Dump kausal oder zufällig ist. Wie das Gericht die Vorwürfe bewerten wird.

Einordnung: Warum Bitcoin trotzdem Bitcoin bleibt

Selbst wenn alle Vorwürfe stimmen sollten, ändert das nichts am fundamentalen Wert von Bitcoin. Das Netzwerk läuft weiter. Blöcke werden produziert. Die 21 Millionen sind unverhandelbar. Wer mehr über die Grundlagen von Bitcoin erfahren will, findet alles auf unserer Wissen-Seite.

Was dieser Fall zeigt, ist etwas anderes: Die Schnittstelle zwischen Bitcoin und dem traditionellen Finanzsystem – die ETFs – schafft neue Angriffsflächen. Market Maker mit privilegiertem Zugang können den Kurs kurzfristig beeinflussen. Das ist kein Bitcoin-Problem. Das ist ein Marktstruktur-Problem.

Für langfristige Bitcoiner ändert sich an der Strategie nichts: In Self-Custody verwahren, regelmäßig per Sparplan kaufen und den Lärm ignorieren. Wer seinen Bitcoin nicht auf einer Börse liegen hat, ist von solchen kurzfristigen Manipulationen nicht betroffen.

Für alle, die sich für die Marktstruktur und Regulierung interessieren: Dieses Verfahren wird die Regulierung der Bitcoin-ETFs und die Rolle der Authorized Participants grundlegend beeinflussen. Zusammen mit dem CLARITY Act entsteht gerade ein neues regulatorisches Fundament für Bitcoin in den USA – und damit weltweit. Es lohnt sich, den Fall zu verfolgen.


Disclaimer: Dieser Artikel ist keine Finanzberatung. Die beschriebenen Vorwürfe basieren auf einer laufenden Klage und Beobachtungen der Krypto-Community. Ob Jane Street tatsächlich systematisch Bitcoin manipuliert hat, ist gerichtlich nicht bestätigt. Quellen: Bloomberg, Wall Street Journal, CoinDesk, The Block, CCN, BeInCrypto. Stand: 26. Februar 2026.