Bitcoin Self-Custody Guide – Schlüssel-Symbol mit Schild auf dunklem Hintergrund, 21 BTC Club

Bitcoin sicher aufbewahren: Self-Custody für Einsteiger

Warum du deine Bitcoin selbst verwahren solltest, wie Self-Custody funktioniert und welche Hardware-Wallets sich lohnen. Ein praktischer Guide.

Bitcoin sicher aufbewahren: Self-Custody für Einsteiger

Von Georg Menger – Bitcoiner seit dem 8. Oktober 2012


Lass mich mit einer Geschichte beginnen.

Im November 2022 ging FTX pleite. Über Nacht. Eine der größten Kryptobörsen der Welt – Milliardenbewertung, prominente Sponsorings, Super-Bowl-Werbung – einfach weg. Und mit ihr das Geld von Millionen Kunden.

Menschen, die ihre Bitcoin (und leider auch diverse Shitcoins) auf FTX gelassen hatten, standen vor dem Nichts. Kein Zugriff. Kein Kundensupport. Nur eine Insolvenzanzeige.

Weißt du, wer damals ruhig geschlafen hat? Jeder, der seine Bitcoin selbst verwahrt hat.

Ich gehöre seit 2012 zu dieser Gruppe. Und nach diesem Artikel wirst du verstehen, warum – und wie du es selbst machst.

Was bedeutet Self-Custody eigentlich?

Self-Custody heißt wörtlich: Selbstverwahrung. Du bist deine eigene Bank.

Wenn du Bitcoin auf einer Börse wie Kraken, Bitpanda oder Coinbase lagerst, dann besitzt du genau genommen keine Bitcoin. Du besitzt ein Versprechen der Börse, dass sie dir deine Bitcoin auszahlt, wenn du danach fragst. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

In der Bitcoin-Welt gibt es dafür einen Satz, den du dir einbrennen solltest:

“Not your keys, not your coins.” Nicht deine Schlüssel, nicht deine Bitcoin.

Self-Custody bedeutet: Du hast die privaten Schlüssel zu deinen Bitcoin. Nur du. Keine Börse, keine Bank, kein Dritter. Niemand kann dir deine Bitcoin wegnehmen, einfrieren oder beschlagnahmen – solange du deine Schlüssel sicher aufbewahrst.

Warum ist das so wichtig?

1. Börsen können pleite gehen

FTX war kein Einzelfall. Mt. Gox (2014), QuadrigaCX (2019), Celsius (2022), BlockFi (2022) – die Liste ist lang. Jedes Mal haben Menschen Bitcoin verloren, die sie auf Börsen gelagert hatten.

“Aber die großen Börsen sind doch sicher!” – Das haben FTX-Kunden auch gesagt. Bis sie es nicht mehr waren.

2. Börsen können dein Konto sperren

Selbst wenn eine Börse nicht pleite geht, kann sie dein Konto jederzeit einfrieren. Regulatorische Gründe, “verdächtige Aktivitäten”, oder einfach ein Bug im System. Du bist der Gnade eines Unternehmens ausgeliefert.

3. Hacks passieren

Börsen sind ein Honigtopf für Hacker. Wo Milliarden an Bitcoin lagern, wird eingebrochen. Das ist keine Frage des Ob, sondern des Wann.

4. Es ist der ganze Punkt von Bitcoin

Bitcoin wurde erfunden, damit du niemandem vertrauen musst. Wenn du deine Bitcoin auf einer Börse lässt, vertraust du wieder einer zentralen Instanz. Dann hättest du auch bei der Bank bleiben können.

Wie funktioniert Self-Custody?

Okay, jetzt wird’s praktisch. Keine Angst – es ist einfacher als du denkst.

Private Keys und Public Keys

Jede Bitcoin-Wallet besteht aus zwei Teilen:

  • Public Key (öffentlicher Schlüssel): Das ist wie deine IBAN. Du kannst sie jedem geben, damit er dir Bitcoin schicken kann.
  • Private Key (privater Schlüssel): Das ist wie dein PIN. Wer ihn hat, kontrolliert deine Bitcoin. Teile ihn mit niemandem. Niemals.

Die Seed Phrase – Dein wichtigstes Backup

Wenn du eine Wallet einrichtest, bekommst du 12 oder 24 Wörter. Das ist deine Seed Phrase (auch “Recovery Phrase” oder “Mnemonic” genannt). Diese Wörter sind der Generalschlüssel zu all deinen Bitcoin.

Mit diesen Wörtern kannst du deine Wallet auf jedem kompatiblen Gerät wiederherstellen – selbst wenn dein ursprüngliches Gerät gestohlen, zerstört oder verloren wird.

Das bedeutet aber auch: Wer deine Seed Phrase hat, hat deine Bitcoin. Punkt.

Die drei Wallet-Typen

1. Software Wallets (Hot Wallets) Apps auf deinem Smartphone oder Computer. Kostenlos und einfach zu bedienen, aber der private Schlüssel liegt auf einem Gerät, das mit dem Internet verbunden ist.

Gut für: Kleine Beträge, tägliche Nutzung, Lightning-Zahlungen. Meine Empfehlung: BlueWallet oder Muun für Einsteiger.

2. Hardware Wallets (Cold Storage) Spezielle physische Geräte, die deine privaten Schlüssel offline speichern. Der Schlüssel verlässt das Gerät nie – selbst wenn dein Computer kompromittiert ist.

Gut für: Größere Beträge, langfristige Aufbewahrung. Meine Empfehlung: BitBox02 (Bitcoin-Only Edition) oder Trezor.

3. Multisig Wallets Mehrere Schlüssel sind nötig, um eine Transaktion zu signieren (z.B. 2 von 3). Die sicherste Methode, aber auch die komplexeste.

Gut für: Sehr große Beträge, Unternehmen, Fortgeschrittene.

Mein persönlicher Setup-Guide: In 30 Minuten zur Self-Custody

Hier ist genau das, was ich einem Freund empfehlen würde, der heute anfängt:

Schritt 1: Hardware Wallet kaufen

Kauf eine BitBox02 Bitcoin-Only direkt beim Hersteller (shiftcrypto.ch). Kostet circa 130 Euro. Kauf niemals gebrauchte Hardware Wallets oder von Drittanbietern auf Amazon – die könnten manipuliert sein.

Warum die BitBox02? Schweizer Qualität, Open Source, Bitcoin-Only (keine Altcoin-Ablenkung), hervorragende Software, microSD-Backup.

Schritt 2: Einrichten

  1. Schließe die BitBox02 an deinen Computer an
  2. Lade die BitBoxApp herunter
  3. Folge dem Setup-Prozess
  4. Das Gerät generiert deine Seed Phrase
  5. Schreibe die 24 Wörter auf Papier – nicht digital!

Schritt 3: Seed Phrase sichern

Das ist der wichtigste Schritt. Deine 24 Wörter müssen:

  • Offline sein – niemals in einer App, Cloud oder auf dem Computer speichern
  • Physisch robust sein – Papier kann brennen oder nass werden. Besser: Stahl-Backup (z.B. von Seedor oder Cryptosteel)
  • An einem sicheren Ort sein – Tresor, Bankschließfach, oder ein sicherer Ort zu Hause
  • Eventuell aufgeteilt sein – du kannst die Wörter auf zwei Orte verteilen

Was du NIEMALS tun solltest:

  • Die Seed Phrase fotografieren
  • Per E-Mail oder WhatsApp verschicken
  • In einer Notiz-App speichern
  • In der Cloud ablegen (iCloud, Google Drive, Dropbox)
  • Jemandem am Telefon vorlesen

Schritt 4: Bitcoin von der Börse auf die Wallet übertragen

  1. Öffne die BitBoxApp
  2. Klicke auf “Empfangen” – du bekommst eine Bitcoin-Adresse
  3. Gehe zu deiner Börse (Kraken, Bitpanda, etc.)
  4. Wähle “Auszahlung” / “Withdraw”
  5. Füge die Adresse ein und sende
  6. Warte auf die Bestätigung (ca. 10-60 Minuten)

Pro-Tipp: Sende zuerst einen kleinen Testbetrag (z.B. 10 Euro). Wenn der ankommt, sende den Rest. Lieber 2 Euro Gebühren extra als einen Fehler bei einem großen Betrag.

Schritt 5: Verify und entspannen

Überprüfe in der BitBoxApp, dass dein Guthaben korrekt angezeigt wird. Atme tief durch. Du bist jetzt deine eigene Bank.

Die häufigsten Fehler – und wie du sie vermeidst

”Ich speichere meine Seed Phrase digital, ist ja verschlüsselt”

Nein. Einfach nein. Alles was digital ist, kann gehackt werden. Ein Foto deiner Seed Phrase auf dem iPhone wird in die iCloud synchronisiert. Ein Hack, ein Datenleck, ein neugieriger Apple-Mitarbeiter – und deine Bitcoin sind weg.

Seed Phrase = nur analog. Immer.

”Meine Börse ist sicher genug”

Das dachten Mt. Gox-Kunden auch. Und FTX-Kunden. Und Celsius-Kunden. Muster erkannt?

”Was wenn ich meine Seed Phrase verliere?”

Dann verlierst du deine Bitcoin. Das klingt hart, aber das ist die Realität. Es gibt keine “Passwort vergessen”-Funktion bei Bitcoin. Das ist der Preis der Freiheit.

Deshalb: Backup, Backup, Backup. Mehrere Kopien an verschiedenen Orten.

”Was wenn ich sterbe?”

Gute Frage, die zu wenige stellen. Du brauchst einen Plan. Eine Möglichkeit: Hinterlege einen versiegelten Brief bei einem Notar oder in einem Bankschließfach mit Anweisungen für deine Erben. Es gibt auch spezialisierte Services dafür.

Wie viel sollte auf der Börse bleiben?

Meine Faustregel:

  • Auf der Börse: Nur so viel, wie du aktiv handeln willst (idealerweise: gar nichts)
  • Software Wallet: Tagesbudget, wie ein Portemonnaie. Vielleicht 100-500 Euro
  • Hardware Wallet: Alles andere. Deine Ersparnisse. Dein Stack.

Denk an Bitcoin wie an Bargeld: Du trägst nicht dein gesamtes Vermögen im Geldbeutel durch die Stadt. Genauso wenig solltest du alles auf einer Börse lassen.

Was kostet Self-Custody?

  • Hardware Wallet: 60-150 Euro (einmalig)
  • Stahl-Backup: 30-80 Euro (einmalig)
  • Transaktionsgebühren: 1-10 Euro pro Überweisung

Für unter 200 Euro bist du komplett aufgestellt. Das ist weniger als ein Monat Bankgebühren bei manchen Instituten – und du bist für immer deine eigene Bank.

Mein persönliches Fazit

Ich verwahre meine Bitcoin seit über 13 Jahren selbst. In dieser Zeit sind Dutzende Börsen gehackt worden oder pleite gegangen. Meine Bitcoin waren nie in Gefahr – weil sie nie auf einer Börse lagen.

Self-Custody ist anfangs etwas einschüchternd. Die 24 Wörter, die Verantwortung, das “Was wenn”. Aber glaub mir: Sobald du es einmal gemacht hast, wirst du dich fragen, warum du so lange gewartet hast.

Es ist das befreiendste Gefühl der Welt, zu wissen: Diese Bitcoin gehören mir. Wirklich mir. Und niemand kann sie mir nehmen.

Das ist die Essenz von Bitcoin. Und Self-Custody ist der Weg dorthin.

Auf unserer Empfehlungen-Seite findest du meine aktuellen Hardware-Wallet-Empfehlungen. Bei Fragen erreichst du uns auf X oder Facebook.

Nimm deine Bitcoin in die eigene Hand. 🔐


Disclaimer: Dieser Artikel ist keine Finanzberatung. Produkt-Empfehlungen basieren auf persönlicher Erfahrung und sind nicht gesponsert. Jede Investitionsentscheidung trägst du selbst.